Spiegelteleskop

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Ja, richtig gelesen – 1550″!
So mancher Fernrohrbesitzer ist schon vom sogenannten „Öffnungsfieber“ gepackt worden und hat sich einen richtig großen Dobson gewünscht. Nun, vor einigen Monaten, genau im Juni 2012 fiel bei der ESO der Startschuss für ein gigantisches Projekt, das jeden Hobby-Astronomen sprachlos machen würde:  Das europäische Großteleskop „E-ELT“ (European Extremely Large Telescope) wird mit  einem 39,3 Meter großen Hauptspiegel das größte erdgebundene Teleskop im optischen Wellenlängenbereich werden.

Das entspricht einer Fläche von 978 Quadratmetern bestehend aus ca. 1000 sechseckigen Segmenten (jeweils 1,4 m breit und nur 5cm dick). Das derzeit größte Teleskop verfügt „nur“ über einen 10-Meter-Spiegel. Das E-ELT kann damit mehr Licht einfangen als alle derzeitigen 8-10m Teleskope zusammen, 8 Millionen mal mehr Licht als Galilei´s Teleskop, 100 Millionen mal mehr als das menschliche Auge. Wiegen wird die Hauptkonstruktion etwa 2,8 Millionen Tonnen!

Bestückt wird das E-ELT mit mehreren Kameras und auch Spektrographen, beide Komponenten können binnen weniger Minuten hin- und hergeschaltet werden. Auch die Schwenk-Mechanik ist so ausgelegt, dass in kürzester Zeit von einem Beobachtungsziel auf ein anderes geschwenkt werden kann um möglichst rasch auf aktuelle astronomische Ereignis reagieren zu können.

Noch heuer soll mit dem Bau begonnen werden um den regulären Betrieb im Oktober 2022 aufnehmen zu können – 10 Jahre Bauzeit bis zum „First-Light“ – um dann mind. 30 Jahre im Einsatz zu bleiben.

Was sind nun die Aufgaben eines solchen „Lichtsammelgiganten“?

Einerseits wird damit die Suche nach besonders massearmen Exoplaneten, also nach Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, erst machbar. Das europäische Großteleskop soll Exoplaneten sowohl indirekt nachweisen, z.B. durch Positionsänderungen eines Sterns aufgrund eines oder mehrerer ihn umkreisender Planeten, als auch direkte Aufnahmen von Exoplaneten anfertigen.
Weiters soll eine Untersuchung der chemischen Zusammensetzung der Atmosphären solcher Exoplaneten ermöglicht werden. Damit kann dann eine Reihe spannender Fragen geklärt werden, z.B. wie häufig Gesteinsplaneten in der habitablen Zone anzufinden sind und ob sie der Erde ähneln. Das E-ELT soll ebenfalls untersuchen, wie Planetensysteme entstehen und sich entwickeln, indem es protoplanetare Scheiben untersucht und vor allem Wasser und organische Moleküle ausfindig macht.

In einer weiteren Aufgaben können Supernova-Explosionen mittels Infrarotspektroskopie erkundet werden.

Die entferntesten und damit ältesten Objekte im beobachtbaren Universum stehen ebenfalls im Blickpunkt des E-ELT. Es soll unter anderem die Frage beantwortet werden, wie im jungen Universum Galaxien enstanden sind und welche Faktoren eine Rolle bei ihrer Entwicklung spielen. So kann auch festgestellt werden, ob und inwiefern sich die ältesten Galaxien von den heutigen unterscheiden. Auch die komplexen Wechselwirkungen zwischen Galaxien und dem intergalaktischen Medium soll erforscht werden.

Auch Schwarze Löcher stehen ganz oben auf dem Beobachtungplan des Teleskops um damit Gravitationstheorien wie auch die Allgemeine Relativitätstheorie zu überprüfen. Vielleicht lässt sich damit die Frage nach der Existenz von „mittelgroßen“ schwarzen Löchern mit einer Masse von 100-10.000 Sonnenmassen klären wie bislang nur vermutet.

Ein weiteres bedeutendes Anwendungsgebiet besteht in der direkten Messung der Expansion des Universums. Damit kann die Evolution des Universums besser nachvollzogen werden. Die gewonnenen Daten dürften auf theoretische Modelle wie die Inflation nach dem Urknall und die Dunkle Energie Auswirkungen zeigen.

Zudem wird das Teleskop untersuchen, ob fundamentale physikalische Konstante wirklich konstant sind oder sich im Laufe der Zeit ändern was natürlich von revolutionärer Tragweite sein kann. Last, but not Least, wird auch die Theorie der kosmischen Strings einer Überprüfung unterzogen.

Wo gibt es einen geeigneten Himmel um so ein Großteleskop nutzen zu können?

Nach einem Ausschreibungs-Wettbewerb hat man sich vor 2 Jahren für den 3060 Meter hohen Berg Cerro-Armazones in der Atacama-Wüste, Chile, aufgrund der hervorragenden Qualität für Himmelsbeobachtungen und der Möglichkeit der Zusammenarbeit des E-ELT mit der bereits bestehenden Infrastruktur des Very Large Telescope des ESO am nur 20 km entfernten Cerro-Paranal, entschieden.
Durchschnittlich sind in diesem Gebiet ca. 320 Nächte pro Jahr sternenklar! Davon kann der Hobbyastronom im meist trüben und lichtverschmutzten Mitteleuropa nur träumen.

Was kostet nun so ein gigantisches Projekt?

Das E-ELT wird zum Komplex des La Silla Paranal Observatoriums gehören und es ist ein  Budget von
1,083 Milliarden Euro
zur Verfügung gestellt worden. Aus dem grundlegenden Entwurf 2006 erfolgten 2007 und 2010 weitere elf Design-Studien, wobei aus Kosten- und Praktikabilitätsgründen (einfachere Konstruktion, schnellere Errichtung, Windlast, Sicherheitsmaßnahmen bei Erdbeben usw.) der Spiegeldurchmesser von ursprünglich 42 Meter auf 39 Meter verkleinert worden war.

Anbei noch einige Darstellungen wie das E-ELT am Ende aussehen wird:

E-ELT Hauptkomplex

 

 

 

 

 

 

 

Spiegel-Attrappe zur Verdeutlichung der Größe

 

 

 

 

 

 

E-ELT im Vergleich zu einem Airbus340

Wenn man sich mit der Astronomie auseinanderzusetzen beginnt, stolpert man bald über die Tatsache, dass Spiegelteleskope die Linsenfernrohre schon längst über weite Strecken abgelöst haben. In diesem Beitrag will ich erläutern wie das wahre Arbeitsgerät der Astronomen und Amateurastronomen aussieht und warum das so ist.

In Christophs Beitrag haben wir gesehen, dass es den Astronomen nicht ausschließlich um Vergrößerung und Auflösung geht, sondern auch das Lichtsammelvermögen der Teleskope eine wichtige Rolle spielt. Die Distanzen im Weltall sind gigantisch und die meisten interessanten Objekte sehr lichtschwach. Nun geht es darum, wie viel Licht ein Teleskop sammeln kann. Je heller ein Objekt im Fernrohr erscheint desto besser. Dabei gibt es eine einfache Faustregel, der doppelte Teleskopdurchmesser erzeugt ein 4-mal so helles Bild. weiterlesen